Freiwilliges Soziales Jahr Digital

Die künftige Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD will im Rahmen einer digitalen Agenda das FSJ-Digital, das Freiwillige Soziale Jahr Digital einführen, zunächst als Modellprojekt für zwei Jahre, dann als Bestandteil des regulären FSJ.

Im Koalitionsvertrag ist dies unter der Überschrift "Digitale Bildung und Forschung – gerecht und innovativ" festgeschrieben worden. Wörtlich heißt es dort: "Wir befürworten ein Modellprojekt Freiwilliges Soziales Jahr Digital, damit junge Menschen ihre technischen Fertigkeiten und Fähigkeiten im Umgang und in der Anwendung von neuen Medien in den Dienst von gemeinnützigen Einrichtungen stellen und diese bei der Umsetzung von digitalen Projekten und der Vermittlung von Medienkompetenz unterstützen."

Damit wird die Bundesregierung eine Forderung der SPD vom Frühjahr 2013 aufgreifen.

Modellprojekt FSJ Digital

Ein digitales Modellprojekt im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) hat die SPD im Bundestag bereits mit Antrag vom 28.05.2013 gefordert (Bt-Ds 17/12846). Sie verlangte darin von der seinerzeitigen Bundesregierung ein solches Projekt zusammen mit den anerkannten Trägern des FSJ zu initiieren und entsprechende Einsatzstellen zu schaffen. Nach zwei Jahren sollte das Modellprojekt überprüft werden. Bei einem positiven Verlauf sollte eine Weiterführung als fester Bestandteil des FSJ erfolgen.

Außerdem wurde die Bundesregierung aufgefordert zu überprüfen, ob das Lernziel Medienkompetenz dauerhaft in das Jugendfreiwilligendienstegesetz und das Bundesfreiwilligendienstgesetz aufgenommen werden könnte.

Die SPD berief sich auf die Ergebnisse der Enquete-Kommission "Internet und Digitale Gesellschaft" des Bundestages. Die Untersuchungskommission habe eine große Bedeutung der Medienkompetenz in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft festgestellt. Die Lücke zwischen der anerkannten Bedeutung der Medienkompetenz und realen Umsetzungshemmnissen könne durch ein stärkeres bürgerschaftliches Engagement abgemildert werden.

Beschlussvorlage zum digitalem Jahr

Im Einzelnen heißt es im Antrag Bt-Ds 17/12846 der SPD

"Der Bundestag wolle beschließen:

I.

...

Im Rahmen eines zu erprobenden FSJ Digital könnten junge Erwachsene – zunächst in Modellprojekten und mit Unterstützung der Träger der Jugendfreiwilligendienste – ihre technischen Fertigkeiten und Fähigkeiten im Umgang und in der Anwendung von neuen Medien in den Dienst von gemeinnützigen Einrichtungen stellen und diese bei der Umsetzung von digitalen Projekten und der Vermittlung von Medienkompetenz unterstützen. Gleichzeitig bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die pädagogische Begleitung in den Einsatzstellen die Möglichkeit, Orte des bürgerschaftlichen Engagements in unterschiedlichen Bereichen kennenzulernen und neue Fähigkeiten, die über die bisher erlernten hinausreichen, zu entwickeln. Der inhaltlich und technisch kompetente Umgang mit Medien, insbesondere mit neuen Medien, soll durch ergänzende Fortbildungsmöglichkeiten und Seminare für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen des Modellprojektes FSJ Digital geschult und gefestigt werden. Bei der Erarbeitung und der Durchführung des Modellprojektes werden die anerkannten Träger des FSJ mit einbezogen.

Im Rahmen generationenübergreifender Aktivitäten können – beispielsweise in den bereits etablierten Mehrgenerationenhäusern – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am FSJ Digital älteren Menschen zum Beispiel IT- oder Smartphone-Kurse anbieten.

Leitbild der Medienkompetenzvermittlung ist dabei die Entwicklung einer digitalen Selbstständigkeit, wie sie die Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" beschrieben hat.

II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,

1. zusammen mit den anerkannten Trägern des FSJ ein Modellprojekt FSJ Digital zu initiieren und gemeinsam mit regionalen und überregionalen Trägern und Institutionen eine begrenzte Anzahl von Einsatzstellen zu schaffen, die digitale Projekte und die Vermittlung von Medienkompetenz in gemeinnützigen Einrichtungen in den Mittelpunkt stellen und deren Umsetzung erprobt;

2. mit einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit potenzielle Träger auf die Möglichkeiten und Chancen eines FSJ Digital hinzuweisen;

3. das Modellprojekt nach zwei Jahren im Hinblick auf eine mögliche Weiterführung des FSJ Digital als regulärer Bestandteil der Jugendfreiwilligendienste zu evaluieren;

4. die Aufnahme von Medienkompetenz als Lernziel und mögliches Einsatzgebiet für Freiwillige in das Jugendfreiwilligendienstegesetz und das Bundesfreiwilligendienstegesetz zu prüfen;

...

FSJ am PC

Fazit:

Salopp gesagt, kann das FSJ in Zukunft auch am Computer geleistet werden.

Und das ist eine gute Sache, denn junge Menschen haben nun einmal große Potentiale im Umgang mit PC und Internet. Dieses Potential kann mit dem FSJ-Digital in der Anwendung und Vermittlung von Medienkompetenz im bürgerschaftlichen Engagement genutzt und weitergegeben werden. Bleibt nur die Frage: warum ist die Politik nicht schon eher darauf gekommen?